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Tipps für Gründer
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4 Dokumente, die im Datenraum für die Start-up-Finanzierung nicht fehlen dürfen (und weitere Tipps)

Wenn Sie als Gründer Kapital aufbringen möchten, brauchen Sie einen gut organisierten Datenraum. Sehen Sie ihn als Chance, potenzielle Investoren mit Ihrer Umsicht und Ihrem Organisationstalent zu beeindrucken.
Gale Wilkinson, Gründerin und geschäftsführende Partnerin bei Vitalize Venture Capital

Ich finanziere Start-ups nun schon seit 9 Jahren und habe festgestellt, dass Gründer während des Due-Diligence-Prozesses nicht mehr so viele Dokumente vorlegen müssen wie früher. Zu Beginn meiner Karriere waren noch sehr viele Unterlagen notwendig, was sich jedoch als unpraktisch erwies, denn es kann schwierig sein, all diese Dokumente zu beschaffen. Ich fürchtete, dass eine zu aufwändige Due-Diligence-Prüfung potenziellen Deals im Wege stehen würde.

Heute versuche ich, einen Mittelweg einzuschlagen: Einerseits muss ich meinen LPs eine gute Treuhänderin sein, indem ich ihnen genügend relevante Informationen über die Unternehmen, die wir finanzieren, beschaffe. Andererseits möchte ich Gründern eine gute Partnerin sein und ihnen einen effizienten Prozess bieten, bei dem sie nicht mit Anfragen überhäuft werden. Nachfolgend erkläre ich Ihnen, welche Dokumente alle Gründer meiner Meinung nach in ihre Datenräume stellen sollten:

Jahresabschlüsse und Jahresprognosen

Finanzdokumente gehören zu den ersten Dateien, nach denen ich in einem Datenraum suche. Gründer sollten ihre historischen Gewinn-und-Verlust-Rechnungen zur Verfügung stellen, von der Gründung bis zum aktuellen Datum. Außerdem benötige ich die letzte Bilanz des Unternehmens.

Finanzprognosen sind ebenfalls sehr wichtig. Manche Risikokapitalgeber finden, dass Unternehmen in der Pre-Seed- bzw. Seed-Phase keine Finanzmodelle erstellen müssen. Doch ich denke, dass Gründer, die sich viele Gedanken zu Ihrem Unternehmen gemacht haben, automatisch auch Zeit in die Erstellung eines Finanzmodells investieren möchten. Prognosen helfen mir auch, zu verstehen, wie ein Gründer tickt.

Unternehmen in der Pre-Seed-Phase sollten Umsatzprognosen für die nächsten 3 Jahre vorweisen, Unternehmen in der Seed-Phase für die nächsten 5 Jahre. Das sind recht grundlegende Modelle, die den Umsatz nach Segment, die Umsatzkosten, die Ausgaben und den EBITDA (ein Indikator für die Cash-Burn-Rate) umfassen. Wenn Sie mehrere Geschäftsfelder haben, sollten Sie sie aufschlüsseln und die Umsatzkosten nach Segment angeben. Die Ausgaben sollten die Verwaltungs- und Gemeinkosten sowie die Kosten für Marketing, Vertrieb, Forschung und Entwicklung umfassen. Außerdem möchte ich wissen, wie viel Kapital in den nächsten Jahren benötigt wird, um einen Umsatz von über 25 Millionen US-Dollar zu erzielen. Auf Twitter gebe ich Gründern weitere Tipps zum Erstellen von Umsatzprognosen.

Projections help me learn how a founder thinks. Companies at the pre-seed stage should show 3 years of annual projections and at the seed stage should show 5 years. - @galeforceVC of of @VitalizeVC Share on X

Letztendlich helfen mit Finanzprognosen, zu verstehen, ob ein Gründer die grundlegenden Elemente seiner Geschäftsidee gut durchdacht hat. Etwa wie viele Vertriebsmitarbeiter erforderlich sind, um die erwartete Anzahl von Kunden pro Jahr zu gewinnen. Oder ob genug für F&E ausgegeben wird. Oder ob die Bruttomargen realistisch sind. Ein Gründer sollte mir zeigen, dass er sich über diese und andere unternehmensspezifische Aspekte Gedanken gemacht hat.

Liste mit Referenzen

Referenzen sind ein weiteres nützliches Tool, das wir verwenden. So können wir mehr über die Gründer erfahren, mit denen wir zusammenarbeiten, und feststellen, wie Kunden das zu lösende Problem wahrnehmen.

Gründer sollten folgende Personen in ihre Listen aufnehmen:

  • Wichtige Mitglieder des Managementteams
  • 1–2 Kunden
  • 1–2 aktuelle Investoren (falls vorhanden)
  • Berater
  • Andere Personen, die sie gut kennen und von ihrer Idee überzeugt sind

Die besten Referenzen sind meist bestehende Kunden, Berater, aktuelle Investoren und wichtige Teammitglieder. (Übrigens: Ich lese mir nicht nur die Referenzen durch, die Gründer in ihre Datenräume aufnehmen, sondern bitte normalerweise auch andere Personen aus meinem Netzwerk um Feedback.) Es ist wichtig, dass Gründer bei der Zusammenstellung ihrer Referenzen Personen auswählen, die sich in ihrem Fachgebiet auskennen, denen sie vertrauen und die sich positiv über ihr Unternehmen äußern werden. Gründer sollten diese Personen sorgfältig auswählen, gut kennen und ein gutes Gespür dafür haben, was sie über sie sagen werden.

Manche Gründer geben in ihrer Referenzliste die Kontaktdaten (E-Mail-Adresse und Telefonnummer) der relevanten Personen an. Ich rate Ihnen jedoch, nur den Namen, die Zugehörigkeit und das LinkedIn-Profil Ihrer Referenzen in die Liste aufzunehmen. Die Kontaktdaten können Sie dann auf Anfrage bereitstellen. Stellen Sie sich vor, dass 10 oder gar 20 Personen Ihren Datenraum ansehen und alle dieselben Referenzen kontaktieren. Das könnte für Unmut sorgen.

Sie möchten wahrscheinlich nicht, dass jeder Investor Ihre namhaftesten oder besten Kunden kontaktiert. Deshalb sollte nur Ihr wichtigster Investor mit diesen Referenzen sprechen, sich Notizen machen und sie dann im Datenraum teilen. So können die anderen Investoren diese Notizen lesen und müssen nicht alle dieselben Kunden kontaktieren.

Aktuelle und Pro-Forma-Cap-Tabellen

Gründer müssen aktuelle und Pro-Forma-Cap-Tabellen vorlegen, um potenziellen Investoren zu zeigen, wie das Eigenkapital derzeit in ihrem Unternehmen verteilt ist und wie sich diese Verteilung nach der aktuellen Finanzierungsrunde ändern wird. Ihre aktuelle Cap-Tabelle sollte zeigen, wie die Eigentumsrechte Ihres Unternehmens aktuell aussehen. Ihre Pro-Forma-Cap-Tabelle sollte zeigen, wie sie nach der aktuellen Finanzierungsrunde aussehen werden. Geben Sie dazu an, wie viel Prozent des Unternehmens die Investoren dieser Runde voraussichtlich besitzen werden.

Ihre Cap-Tabelle muss nur die Namen der Gründer enthalten, nicht die der Investoren oder Aktionäre. Zum Beispiel:

  • Gründer A: 45 %
  • Gründer B: 30 %
  • Bestehende Investoren: 15 %
  • Zugewiesene Optionen: 2 %
  • Pool Nicht zugewiesene Optionen: 8 %

Manche Gründer sind der Meinung, dass eine vereinfachte Zusammenfassung der aktuellen Eigentumsrechte ausreicht. Ich würde jedoch ganz genau wissen wollen, wem welcher Prozentsatz des Unternehmens gehört. Detaillierte Cap-Tabellen sind wichtig, da sie zeigen, wie sich die Zusammensetzung der Stakeholder im Laufe der Zeit verändert hat. Gibt es zum Beispiel jemanden, der Eigenkapital besitzt, aber nicht mehr im Unternehmen ist? Aus ausführlichen Cap-Tabellen werden diese Informationen klar ersichtlich.

Detailed cap tables are important b/c they give insight into how stakeholders might have shifted over time. For example, is there someone who owns equity but is no longer with the business? @galeforceVC of @VitalizeVC Share on X

Investitionsunterlagen

Schließlich gibt es noch die Dokumente, die die Bedingungen für die aktuelle Finanzierungsrunde angeben. Wenn Sie ein SAFE verwenden, gehört dieses Dokument unbedingt in Ihren Datenraum. Wenn Sie eine Kapitalbeteiligungsrunde auf der Grundlage einer vorher durchgeführten Unternehmensbewertung verwenden („priced round“) und bereits über entsprechende Dokumente verfügen, sollten Sie diese Dokumente ebenfalls teilen. Ich habe es auch erlebt, dass Gründer bestehende SAFEs oder Wandelanleihen, die in der aktuellen Runde umgewandelt werden sollen, in den Datenraum stellen.

Andere Dokumente, die Sie in den Datenraum stellen könnten

Die oben genannten Dokumente sind ein „Must-have“ für Ihren Datenraum. Doch Sie sollten sich auch überlegen, ob es noch andere Informationen gibt, die für potenzielle Investoren relevant sein könnten. Ihre Gründungsurkunde muss irgendwann noch geprüft werden, daher ist es in der Regel eine gute Idee, sie von Anfang an in den Datenraum zu stellen. Sie könnten auch noch angeben, ob sich bereits Investoren an der Finanzierungsrunde beteiligen und mit welchen Beträgen. Eine weitere Möglichkeit ist ein detaillierter Plan, aus dem hervorgeht, wofür die Mittel aus dieser Runde verwendet werden. Auch andere strategische Dokumente könnten hilfreich sein, etwa eine Produkt-Roadmap oder die Markteinführungsstrategie. Wenn Sie bereits über diese Dokumente verfügen, können Sie sie gerne beifügen. Es ist jedoch nicht nötig, sie extra für den Datenraum zu erstellen.

Es gibt noch ein paar andere Dokumente, die Gründer in ihren Datenraum stellen könnten:

  • Links zu Presseberichten über das Unternehmen
  • Nutzungsdaten aus Betatests, Pilotprojekten oder von ersten Kunden
  • Eine Kundenliste
  • Ein Beispiel eines Kundenvertrags
  • Patente oder Schutzmarken

Dabei ist es wichtig, nur wirklich relevante Dokumente zu verwenden. Und ein letzter Hinweis: Wenn bei Ihnen Rechtsstreitigkeiten ausstehen oder irgendetwas anderes potenzielle Investoren während des Due-Diligence-Prozesses abschrecken könnte, sollten Sie diese Informationen proaktiv und transparent offenlegen.

Ein guter Fundraising-Datenraum kann Sie von der Konkurrenz abheben

Zu Beginn der Mittelbeschaffungsphase sollte es nur einige Stunden dauern, einen Datenraum zu erstellen. Das heißt jedoch nicht, dass Sie den Prozess auf die leichte Schulter nehmen sollten. Im Gegenteil: Gründer sollten versuchen, den bestmöglichen Datenraum zu schaffen, um sich von der Masse abzuheben und potenzielle Investoren zu beeindrucken.

  • Ihr Datenraum sollte 4–7 Abschnitte enthalten. Sie sollten Investoren nicht überfordern oder von den wichtigsten Informationen ablenken, die sie für Finanzierungsentscheidungen benötigen.
  • Fügen Sie für jeden dieser Abschnitte einen eindeutig benannten Ordner hinzu, damit potenzielle Investoren auf einen Blick erkennen können, welche Dokumente enthalten sind und wo sie sich befinden.
  • Nutzen Sie einen Datenraumanbieter wie DocSend, mit dem Sie Informationen auf dem neuesten Stand halten und nachverfolgen können, was sich die Investoren ansehen.

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